Der bayerische Wohnungsbau kommt wieder in Bewegung. Nach Angaben des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr wurden im ersten Halbjahr 2026 Baugenehmigungen für rund 29.155 Wohnungen erteilt – ein Plus von 12,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Für Eigentümer in Nürnberg, Fürth und Erlangen ist das mehr als eine Statistik: Genehmigungszahlen von heute sind das Angebot von übermorgen und beeinflussen, wie sich Preise und Vermarktungszeiten in den kommenden Jahren entwickeln.
Bayern genehmigt wieder deutlich mehr Wohnungen
Der Zuwachs zieht sich laut Ministerium durch beide zentralen Segmente: Sowohl im Geschosswohnungsbau als auch bei Ein- und Zweifamilienhäusern wurden im ersten Halbjahr mehr Vorhaben genehmigt als ein Jahr zuvor. Damit setzt sich eine Erholung fort, die bereits im vergangenen Jahr eingesetzt hatte – nach mehreren schwachen Jahren, in denen gestiegene Bau- und Finanzierungskosten viele Projekte gestoppt hatten.
Was hinter dem Zuwachs steht
Der Freistaat begleitet die Entwicklung mit mehreren Hebeln: entschlackten Bauvorschriften und vereinfachten Gebäudetypen, die Genehmigungen beschleunigen sollen, sowie einer Wohnraumförderung, die für die Jahre 2026 und 2027 auf rund 3,6 Milliarden Euro aufgestockt wurde. Bauminister Christian Bernreiter betont zugleich, dass der Staat allein den Bedarf nicht decken kann, und fordert vom Bund unter anderem bessere Abschreibungsmöglichkeiten, steuerliche Entlastungen und praxistauglichere Baustandards.
Die Metropolregion Nürnberg im Bild
Regional zeigt sich die Trendwende bereits in den Zahlen. Nach aktuellen Marktberichten wurden in Nürnberg im Jahr 2025 rund 2.905 Wohneinheiten genehmigt, nach etwa 1.789 im Jahr zuvor. Auch die Fertigstellungen zogen an: rund 2.027 Wohnungen gegenüber etwa 1.694 im Vorjahr. Hinzu kommen langfristige Projekte wie das neue Stadtquartier „Tiefes Feld“ im Südwesten der Stadt, das gut 2.000 Wohnungen samt Schulen und Kindertagesstätten vorsieht.
Vom Genehmigungsplus zur fertigen Wohnung
Wichtig ist der zeitliche Abstand: Zwischen Genehmigung und Einzug liegen in der Regel mehrere Jahre, und nicht jedes genehmigte Vorhaben wird auch gebaut. Der kurzfristige Effekt auf den Markt bleibt daher überschaubar. Spürbar wird die zusätzliche Fläche erst ab dem Ende des Jahrzehnts – und dann vor allem dort, wo neu gebaut wird, nicht flächendeckend in allen Lagen.
Was das für Eigentümer und Verkäufer bedeutet
Der Neubau bleibt teuer. Wer heute neu baut, kalkuliert mit Grundstücks-, Bau- und Finanzierungskosten, die deutlich über dem Niveau vergangener Jahre liegen. Genau das stützt die Bestandspreise: Solange Neubau das Preisniveau nach oben markiert, bleibt eine gepflegte Bestandsimmobilie in guter Lage für viele Käufer die wirtschaftlichere Alternative.
Bestand und Neubau im Vergleich
Die Preisspannen in der Region verdeutlichen das Gefälle: Für Häuser werden in Nürnberg laut aktuellen Marktdaten rund 4.500 bis 4.800 Euro pro Quadratmeter aufgerufen, in Erlangen rund 5.040 Euro und in Fürth rund 4.125 Euro. Entscheidend ist dabei weniger der Durchschnitt als die Einzellage:
- Gute, gewachsene Lagen halten ihr Niveau stabil und finden weiterhin zügig Käufer.
- Sanierungsbedürftige Objekte reagieren sensibler auf Preis, Energiestandard und Finanzierungsumfeld.
- Neubaunahe Objekte profitieren vom Preisabstand zum Neubau – vorausgesetzt, die Vermarktung stimmt.
Wie es weitergehen dürfte
Für die kommenden Monate spricht vieles für einen ruhigen, aber stabilen Markt: mehr genehmigte Projekte, eine anziehende Bautätigkeit und eine Nachfrage, die in der Metropolregion Nürnberg durch Zuzug und Arbeitsplätze getragen wird. Ein Preisrutsch ist aus diesen Daten nicht abzuleiten – ebenso wenig aber eine Rückkehr zu den Steigerungsraten der Niedrigzinsjahre.
Worauf Sie jetzt achten sollten
Wenn Sie einen Verkauf in den nächsten ein bis zwei Jahren erwägen, lohnt der Blick auf das lokale Neubauangebot in Ihrem Stadtteil. Entsteht in unmittelbarer Nähe ein größeres Quartier, verändert das mittelfristig das Wettbewerbsumfeld für Ihre Immobilie. Eine belastbare Bewertung sollte diese Pipeline berücksichtigen – nicht nur den Quadratmeterdurchschnitt der Stadt.
Das Genehmigungsplus in Bayern ist ein gutes Signal für den Wohnungsmarkt insgesamt. Für den Verkauf einer Bestandsimmobilie in Nürnberg, Fürth oder Erlangen bleibt jedoch entscheidend, was heute vor Ort gilt: Lage, Zustand, Energiestandard und ein realistischer Angebotspreis. Wer diese vier Punkte sauber einschätzt, verkauft auch in einem Markt, der wieder in Bewegung kommt, souverän und zum richtigen Preis.
Symbolbild: Foto von Marcus Lenk / Pexels.
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